TSV Herrsching bei der Vogalonga in Venedig

TSV Herrsching bei der Vogalonga in Venedig

22.5.–26.5.2026

Mit zwei Vierern, viel Vorfreude und noch mehr guter Laune machte sich die Rudergruppe des TSV Herrsching am Freitagmorgen um 6.30 Uhr auf den Weg zur 50. Vogalonga nach Venedig.

Im Boot „Herrsching“ ruderten Holger, Malte, Melanie, Marion und Martina, im Boot „Ammersee“ Veit, Andrea, Annette, Andrea und Nancy. Die erste Gruppe startete stilecht mit Gemeindebus und TSV-Hänger Richtung Süden. Schon an der ersten italienischen Raststätte war klar: Das wird gut. Italienischer Kaffee, Aprikosen-Brioche, Sonne — und auch die Zuggruppe kam gut durch (wenn auch nicht mit dem original italienischen Kaffee an der Autobahn und wohl diesmal auch ohne Junggesellenabschied mit Bierfass im Zug, dafür ohne Hochwasser auf der Strecke und Sitzbeinschonender, da das aufgehen im Zug jederzeit eher möglich ist als im Bus –

Am Campingplatz Fusina angekommen hieß es: auspacken, ankommen und erstmal durchatmen.
Bootsanhänger verräumt, Zuggruppe am Bahnhof abgeholt und gleich mal den italienischen Supermarkt leer gekauft.
Großartig 🤎🧡🤎

Die Bungalow-Einteilung entsprach praktischerweise direkt der Bootsbesatzung — sehr effizient …
Nachdem auch Paare dabei waren, gab es noch eine kleine Erleichterung, dass das Schwanken und Wackeln der Bungalows nicht der Pärchen geschuldet war, sondern der windigen Aufbockung der kleinen Behausungen auf Rädern.

Abends ging es in die Osteria Portocanale. Die Sitzordnung ergab sich durch die Vorliebe der bunten Tellerfarben und Formen. Dazu gab es hervorragende Vorspeisen und sofort dieses typische Gefühl von „Jetzt sind wir wirklich in Italien“.🇮🇹

Der Samstag begann mit einem Frühstück, bei dem niemand zu kurz kam: Obst, Müsli, Croissants, Semmeln, Käse, Wurst, sehr gutem Kaffee, Tee und Saft.  
Außerdem durften wir auf dem Campingplatz bei Kaffee und bester Aussicht Zeuge einer offenbar sehr italienischen Form der Schadensregulierung werden: Nach einer kleinen Touchierung unter Campern wurde die Angelegenheit völlig entspannt mit einem Glas Honig beigelegt.
Kein Streit, kein Geschrei — einfach: ‚Sorry, Honey.‘ 😄
Wir fanden: Dieses System hätte durchaus Potenzial zur allgemeinen Entspannung im Straßenverkehr.

Danach wurden die Boote vorbereitet und bei einer Probeausfahrt schon einmal Richtung Canal Grande getestet. Perfekte Bedingungen: Sonne, trocken, kaum Welle — besser kann man es sich kaum wünschen.

Am Abend stand eine wichtige Diskussion der Vogalonga an: Wie umgehen mit der legendär schmalen Slipanlage am nächsten Morgen, wo sich schon etliche andere Boote auf sämtlichen freien Liegeflächen rundherum platziert hatten? Das Gedränge und Gerangel am nächsten Morgen war schon mal sicher.

Der ursprüngliche Plan: spätestens um 5.30 Uhr dort sein, um dem Massenandrang zu entgehen – ja, sehr sportlich, aber nicht rund vom Gefühl.
Das Boot „Ammersee“ hatte am Vorabend eine deutlich cleverere Lösung getestet: Alle – außer Steuermann und Schlagfrau – stiegen vorher am Steg aus (geschuldet einer Fussverletzung, da wollte man trocken an Land kommen) und das Boot wurde dann nur noch zu zweit durch die kleine enge Hafeneinfahrt  manövriert.
Warum nicht gleich die Boote zum Steg fahren und dort befestigen? Gesagt getan. Ein kleines Nachtmanöver.

Damit umgingen wir den Ansturm an der Slipanlage und kürzten die Engstellen der Einfahrt ab.
Genial, wie sich später herausstellen sollte.

Sonntag — Vogalonga!
Dank der Aktion vom Vorabend war sogar etwas längeres Schlafen drin. Trotzdem lag spürbare Spannung in der Luft. Überall hektisches Gerangel an den Einsetzstellen — nur bei uns war es erstaunlich entspannt. Mit Brotzeit und sehr viel Wasser ging es Richtung Markusplatz.

Um Punkt 9 Uhr donnerte der Kanonenschuss als Startsignal. Über 2500 Boote mit mehr als 10.000 Teilnehmern setzten sich gleichzeitig in Bewegung — und mittendrin unsere beiden Vierer mit dem festen Vorsatz, zusammenzubleiben. Was uns tatsächlich bis zum Schluss gelang.

Die Stimmung? Unbeschreiblich. Bunt, laut, fröhlich, international und voller Energie.

Die erste Engstelle bei Burano wurde gut gemeistert mit Frühstücks- und Pinkelpause im Anschluss.

Besondere Vorsicht galt immer wieder den kunstvoll geschnitzten Drachen-Holzköpfen an den grossen Holzbooten, die gerade in den Engstellen oft zu nah an unseren Köpfen vorbeizogen. Aber alle Köpfe blieben dran. 😅

Dann kam die berüchtigte Engstelle am Eingang des Canal Grande. Normalerweise herrscht dort Blockabfertigung und Chaos — diesmal nur Chaos ohne Blockabfertigung zur entspannten Einfahrt in den Kanal.
Obwohl Kanus, SUPs und kleine Schlauchboote, die sonst keine Chance neben den anderen Booten gehabt hätten, vorsorglich in die Nebenkanäle geschickt wurden, steckte der Rest in der Einfahrt fest.

Nach über einer Stunde eingekeilt zwischen Booten aller Art, permanent bemüht, Gleichgewicht und Nerven zu behalten. Zwischen leicht gestressten und ausgesprochen netten Boots-Nachbarn hörten wir diesmal kein knirschendes Holz von aufgeschlitzten oder zusammengequetschten Booten.
Wie immer waren daran sicherlich die italienischen Taucher mitbeteiligt, die im Wasser verhedderte Boote auseinander sortierten.
Irgendwie typisch Italien: chaotisch, laut, aber am Ende funktioniert’s doch…

Und plötzlich waren wir drin — im Canal Cannaregio. Ohne Verletzungen, ohne Materialschaden und mit riesiger Erleichterung. Touristengruppen jubelten uns zu, sogar Leute vom Ammersee klatschten uns zu.

Spontan wurde die erstbeste Anlegemöglichkeit genutzt. Boote vertäut, rein in die nächste Bar, literweise Wasser und Eiskaffee bestellt. Wir waren einfach nur glücklich, dem Wahnsinn noch zuschauen zu können.
Kurz darauf kam auch das zweite Boot an — ebenfalls komplett gesund und munter.

Die Medaillen haben wir am Ende zwar verpasst, weil die italienische Pause im Canal Grande einfach zu schön war — aber ehrlich gesagt:
Das war es Wert. Da waren wir uns alle einig.
Auch nicht selbstverständlich ❣️

Auf der Rückfahrt von Venedig hatten wir noch eine ganz besondere Begleitung aus der Natur — Fliegenfische! Und zwar so nah am Boot, dass einer davon sogar die Bootswand neben mir streifte und ein paar Schuppen als Beweis hinterließ. 😄
Beweisfotos existieren selbstverständlich.

Zurück am Campingplatz warteten noch einmal Slipanlage, 40 Ruderkilometer in den Armen und einzelne Menschen, die offensichtlich irgendwo noch Restdampf übrig hatten. Wir dagegen waren einfach nur glücklich erschöpft und steuerten ein letztes Mal die Osteria an.

Der Montagmorgen begann überraschend entspannt mit einer kleinen Palledia-Stunde am Hafenrand des Campingplatzes. Während riesige Containerschiffe vorbeizogen, feierten wir beim gemütlichen Geburtstagsfrühstück von Nancy mit selbstgebackenem Brot und Prosecco rosa das Leben.
Danach wurden die Boote abgeriggert und geputzt — Teamarbeit funktioniert eben auch mit Muskelkater.

Der Rest des Tages stand zur freien Verfügung: Biennale, Stadtbummel, Kaffee-Hopping oder einfach treiben lassen. Abends trafen sich alle noch einmal im Restaurant Levante in Venedig. Besonders vorausschauend: Eine Gruppe hatte vorher „unseren“ Bus bereits am Bahnhof geparkt, da die Vaporetto-Linien nach 22 Uhr nicht mehr fuhren. Organisation kann diese Gruppe wirklich.

Und genau das bleibt am Ende hängen:
Nicht nur eine fantastische Ruderveranstaltung, sondern vor allem eine unglaublich homogene Gruppe. Mit lustigen Gesprächen über Glückstod, das Leben genießen, „Go with the flow“, Gruppenfotos, spontanen Reparaturen auf der Autobahn, Mikrokinesie-Behandlungen, Fahrkartenziehern, Restaurantfindern, Küchen- und Putzteams, guten Vibes und Menschen, die einfach immer schauen, dass alle dabei sind.

Danke an alle, die organisiert, gefahren, repariert, gezählt, gekocht, motiviert und gelacht haben.

Venedig war wieder einmal magisch.

Beitrag: Martina O.