Ein Erlebnisbericht von Thomas Gellermann

An dem lang ersehnten Tag der Regatta hat alles gepasst; na ja fast alles. Leider musste auch im Jahr 2 mit Corona ein gemeinsames Fest am Abend ausfallen. Sportlich war es aber wieder ein tolles und bestens organisiertes Event: 

22 Boote am Start, 39 gut gelaunte Segler/Innen, Sonne, Wind und unmittelbar nach Abschluss der dritten Wettfahrt ein „kleines“ Stürmchen! Dazu später.

Am Start: 9 Cats, 11 Jollen und zwei Kielboote. Dementsprechend eng ging es an der Startlinie zu und es wurde bei allen 3 Läufen sportlich fair um die besten Startplätze gefightet. Infolge einiger glimpflicher Berührungen mit dem Gegner oder den Wendemarken wurden von mehreren Crews freiwillig „Kringel“ gefahren, um einem langwierigen und gemäß Ansage von unserem Wettfahrtleiter, Klaus Keller, auch kostspieligen Protest zu entgehen.

Der erste Lauf wurde pünktlich gegen 14:00 Uhr gestartet. Es gab das verabredete 5-Minutensignal (Heißen der Vereinsflagge) und das 4-Minutensignal mit dem Heißen der Flagge P. Das nächste Signal sollte dann erst eine Minute vor dem Start folgen ..

Ich musste feststellen, dass das Display meiner Smart Watch bei Sonneneinstrahlung nicht abzulesen ist; Sekundenzeiger ebenfalls Fehlanzeige. Also folgten für mich 3 Minuten ohne Orientierung, die sich ziemlich lang anfühlten. Wenden, hin und nochmal zurück. Wieder eine Wende. Dann auf einmal das 1-Minutensignal, also schnell zur Startlinie zurück, wo es richtig eng wurde. Wie lang kann eigentlich die letzte Minute sein? – se..eehr lang oder wenn man wo hängt, eben auch nicht. - Also das nächste Mal habe ich eine gescheite Uhr mit großem Display und Sekundenanzeige dabei 😉 

Dennoch, beim Start zum ersten Lauf kam ich gut weg. 
Wind zu Beginn aus NW. Er drehte allerdings schon nach der ersten Kreuz Richtung Nord, so dass bei der zweiten Runde die meisten Jollen und Cats ohne große Mühe mit einem Schlag zur Luvtonne segeln konnten. Der Vorwindkurs zur Ziellinie fiel dadurch aus, so dass die meisten Jollen-Crews ihren Spinnaker enttäuscht in der Tasche lassen konnten.

Mir war das egal, ich hatte zwar den Spinnaker mit allen Leinen griffbereit angeschlagen, aber alleine und wegen der noch fehlenden Routine konnte ich das Manöver vergessen. Die vielen Leinen im Boot bereiteten mir aber bei den Kurswechseln etwas Probleme. Spi-Schot und -fall sowie Fock- und Großschot verwurschtelten sich so manches Mal. Zumindest bis zum nächsten Manöver konnte ich die Schlingen aber jedes Mal wieder lösen. Das gelang nach der Regatta, beim stürmischen Wind leider nicht mehr so gut. 🙁

Für den zweiten Lauf wurde die Luv- und Ablauftonne etwas weiter Richtung Norden verlegt. Der Wind hatte aber bereits so weit gedreht, dass wieder die Luvtonne mit einem einzigen Amwind-Schlag erreicht werden konnte. 

Bis auf unsere Freunde mit Spinnaker und Gennaker, die nicht auf ihre Kosten kamen, tat dies der Regatta jedoch keinen Abbruch. Einrumpfboote brauchten pro Lauf nur zwei Runden auf dem gewohnten Up-and-Down Kurs absolvieren (sollte man sich auch dran halten, sonst kommen die Zeitnehmer durcheinander), Cats drei Runden. Meinen Beobachtungen nach, hatten manche Cat-Piloten etwas Probleme mit dem passgenauen Runden der Tonnen. Einige legten gleich mal an oder machten in der Wende kleine Pausen. - Bei einer Regatta nicht zielführend. Zumal manche auch noch einen freiwilligen Strafkringel dranhängten. Auch kein bevorzugtes Manöver eines Doppelrumpfers. Dieses Problem mit dem Drehen durch den Wind habe ich mit meinem Laser II zumindest nicht; war meine Auffassung bis dahin.

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit der Regatten und ihrem Ausgang. Die Stimmung war sehr gut. Für die Wertung kam die bewährte Yardstick-Excel-Berechnung von Tom zum Einsatz. Gewonnen haben die üblichen Verdächtigen. Also ich meine, drei Läufe und dreimal als Erste ins Ziel (Barbara D. & Thomas K.). Das kann kein Zufall sein. Die ersten drei Plätze gingen an die Cat-Teams, Herzlichen Glückwunsch! - Vermisst habe ich allerdings unsere A-Cats und insbesondere Georg, der den Ausgang wieder spannender gemacht hätte oder vielleicht auch gerade nicht!?

Während der drei Läufe hat der Wind allmählich zugenommen, so dass es richtig schön zu Segeln war. Genau mit Abschluss der Regatta so gegen 16:00 Uhr nahm der Wind noch weiter zu und die Jollen kamen richtig schön ins Gleiten. Die meisten segelten zurück!

Ich dachte mir bevor ich mich in den Stau beim Slippen stelle, genieße ich noch 2 bis 3 Schläge. Das war keine gute Idee. Der Himmel verhieß nichts Gutes. Das spielte sich aber, den Blick Richtung Raumschot, in meinem Rücken ab. Mein Laser II mit 11,5 m2 Segelfläche ist bei Starkwind für eine Person doch  nicht so gut geeignet. Also was soll ich sagen? - Nach der ersten Wende ein ungewolltes Kentern. Ich habe das Boot gefühlt insgesamt noch 8-mal aufgerichtet. Die Fock hatte sich schnell um das Vorstag gewickelt und mit den Schoten des an diesem Tag völlig überflüssigen Spi verknotet. Nächste Erkenntnis, ohne Vorsegel lässt sich bei dem Wind nicht mehr Wenden. Also habe ich es zweimal mit einer Halse probiert. Dabei kam ich zwar schön ins Gleiten (mein Wahoo hat knapp 18 km/h aufgezeichnet), beim Segelschiften ging es dann aber wieder in den „wilden“ Ammersee. 

Zu meinem großen Glück waren meine Retter in unseren 2 Motorbooten sofort zur Stelle. Ihnen ist zu verdanken, dass es glimpflich ausging! Paul kam dann noch mit in mein Boot und es zeigte sich, mit vier Händen und dem zusätzlichen Gewicht ließ es sich auch wieder bändigen. Na ja, das Groß war schon unten und die Fock immer noch verknotet, also ging es in Schlepp gegen die hohen Wellen sicher zurück. 

Fazit: Das Wetter zu ignorieren ist nicht gut, insbesondere alleine mit zwei Segeln. Ich glaube, dass eine reguläre Besatzung von 2 Personen nicht in Seenot gekommen wäre. Der Vorschoter hätte die verknotete Fock richten können. Dann wären die Wenden gegangen und mit gefierten Segeln ab nach Hause. Aber so war es nicht …

Also für mich ein sehr lehrreicher Tag! 
Von meinen Söhnen (beide Gleitschirmflieger) habe ich dann noch per WhatsApp eine Nachhilfe in Wetterkunde bekommen. Wer es Nachlesen möchte: es war am Samstag eine Druckwelle in der Gegend „das verkannte Risiko“ – Das galt auch für mich!  

Ich war froh, dass es gut ausgegangen ist und bin meinen Rettern für ihren unerschrockenen Einsatz sehr dankbar! Herzlichen Dank auch an die Organisation der Regatta und allen Helfenden.

Es war dann am Ende auch für mich ein toller Regatta-Tag. 

Ich freue mich auf das nächste Mal!

Bis bald am See,

Thomas

Bilder: Peter Zimmer, Markus Glier, Thomas Lederer, Thomas Gellermann